ENERGYS

Heißes Wasser im Futter

Ing Lucie Humeni

Im Winter haben viele Pferdebesitzer das Gefühl, dass sie ihrem Pferd etwas Gutes tun und es gleichzeitig ein wenig „aufwärmen“, wenn sie Mash oder anderes Futter mit heißem Wasser zubereiten. Das ist eine schöne Vorstellung, denn wir Menschen sind daran gewöhnt, dass warmer Tee oder Suppe sowohl die Stimmung als auch die Körpertemperatur heben. Die Idee, warmes Wasser hinzuzufügen, einen Brei zuzubereiten und dem Pferd etwas zu geben, das sich bei kaltem Wetter angenehm anfühlt und aus menschlicher Sicht natürlich erscheint, ist verständlich.

Ein Pferd ist jedoch kein Mensch, und weder seine Verdauung noch seine Thermoregulation funktionieren wie unsere. Der Organismus des Pferdes hat sich evolutionsbedingt nicht an die Aufnahme heißer Flüssigkeiten angepasst. In manchen Fällen kann warmes Futter tatsächlich helfen, die Flüssigkeitsaufnahme zu erhöhen, gleichzeitig gibt es jedoch Situationen, in denen höhere Temperaturen mehr Risiken als Nutzen mit sich bringen.

Heißes Wasser und das Pferd – gegen die Natur

Versuchen Sie, sich ein Pferd in freier Natur vorzustellen. Im Winter trinkt es aus einem Bach oder aus einer Tränke mit einer Eiskruste. Nichts, was auch nur annähernd der Temperatur von warmem Tee entspricht. Der Organismus des Pferdes ist auf das Trinken von kühlem bis lauwarmem Wasser eingestellt. Heiße Flüssigkeiten können für manche Pferde unangenehm sein und sogar die Trinklust verringern – und genau das ist im Winter das Letzte, was man möchte.

Pferde trinken in freier Natur üblicherweise Wasser, dessen Temperatur je nach Jahreszeit etwa zwischen 2 und 18 °C liegt. Mehrere Studien zeigen, dass Pferde Wasser mit einer Temperatur von etwa 15–20 °C bevorzugen. Ja, ist das Wasser zu kalt, trinken Pferde möglicherweise weniger – ist es jedoch zu warm, ist das Ergebnis genau dasselbe.

Was zeigen wissenschaftliche Studien?

  • Pferde bevorzugen kühles bis leicht lauwarmes Wasser; extrem kaltes Wasser kann die Trinkaufnahme reduzieren.
  • Zu warmes bis heißes Wasser kann ebenfalls zu einer geringeren Flüssigkeitsaufnahme führen.
  • Ein gestörter Trinkrhythmus im Winter erhöht das Risiko für Koliken.

Es stimmt also, dass der Schutz vor zu kaltem Wasser (zum Beispiel das Anwärmen auf eine angenehme, nicht eiskalte Temperatur) vorteilhaft sein kann. Gleichzeitig gilt jedoch auch, dass heißes Wasser für Pferde unnatürlich ist und dazu führen kann, dass sie weniger trinken oder das Futter sogar verweigern.

Warum heißer Mash das Pferd nicht wärmt

Ein weit verbreiteter Mythos besagt, dass warmer Brei das Pferd „von innen heraus aufwärmt“. Diese Annahme berücksichtigt jedoch nicht die tatsächliche Art und Weise, wie ein Pferd seine Körpertemperatur reguliert.

Ein Pferd erzeugt Wärme vor allem durch:

  • die Verdauung von Rohfaser – durch Fermentation im Blinddarm,
  • natürliche Bewegungsaktivität,
  • thermoregulatorische Mechanismen (Fell, Blutkreislauf).

Die Aufnahme von heißem Futter hat nur einen sehr kurzfristigen und vernachlässigbaren Einfluss auf die gesamte Körpertemperatur. Der Organismus gleicht die Temperatur des aufgenommenen Futters schnell aus. Für das Pferd ist Heu eine deutlich effektivere „Wärmequelle“, da die Fermentation von Rohfaser ein Prozess ist, der natürlicherweise eine erhebliche Menge an Wärme produziert – und genau das hilft dem Pferd, im Winter thermisch im Gleichgewicht zu bleiben.

In der Praxis bedeutet das: Wenn ein Besitzer sein Pferd wärmen möchte, sind die wirksamsten Maßnahmen:

  • Zugang zu Heu ad libitum,
  • Schutz vor Wind und Nässe,
  • gegebenenfalls eine geeignete Decke, wenn dies aufgrund des Gesundheitszustands oder der Kondition des Pferdes notwendig ist.

Ein warmer „Brei“ kann diesen Effekt nicht ersetzen.

Warmes Wasser und Probiotika

Probiotika sind nicht einfach nur eine „Zutat“ im Futter. Es handelt sich um lebende Mikroorganismen, deren Wirkung davon abhängt, dass sie bis zum Erreichen des Verdauungstrakts des Pferdes lebensfähig bleiben. Gerade die Stabilität dieser Organismen reagiert sehr empfindlich auf Temperaturbedingungen.

Wissenschaftliche Studien zeigen seit Langem, dass:

  • die meisten gängigen probiotischen Kulturen ihre Vitalität bereits bei Temperaturen über 40–50 °C verlieren,
  • einige Hefen eine höhere Toleranz aufweisen, jedoch ebenfalls empfindlich auf längeren Wärmekontakt reagieren,
  • Bakterien wie Lactobacillus oder Bifidobacterium besonders anfällig für hohe Temperaturen sind,
  • nützliche Mikroorganismen in Futtermischungen technologisch nicht so behandelt werden, dass sie das Übergießen mit heißem Wasser überstehen.

Aus diesen Gründen wird bei Produkten mit Probiotika standardmäßig empfohlen, sie mit kaltem oder lauwarmem Wasser anzurühren. Diese Empfehlung ist keine bloße Formalität oder übertriebene Vorsichtsmaßnahme, sondern eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Probiotika überhaupt wirksam sein können.

Dies gilt konkret für die Mischung Energys Mash, bei der dieser Hinweis ausdrücklich zum Schutz der mikrobiellen Kulturen angegeben wird.

Wird Futter mit heißem Wasser übergossen, können die Probiotika teilweise oder vollständig deaktiviert werden. Das Ergebnis? Das Pferd erhält ein schmackhaftes Futter – jedoch ohne den erwarteten funktionellen Nutzen.

Auch wenn es verlockend sein mag, Futter mit heißem Wasser zuzubereiten, verringert man damit oft seinen Nutzen. Pferde halten sich am besten auf natürliche Weise warm – durch hochwertiges rohfaserreiches Futter und einen ausreichenden Zugang zu Heu. Daran sollten wir nicht vergessen.

Quellen

  1. Morán, M. E. et al., 2025. Evaluating the Impact of Temperatures and Exposure Times on Probiotics Viability Under Pre- and Post-Technological Processes. Online. SSRN / ScienceDirect. Zugriff: 18.11.2025.
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  3. Jafari, M., Jafari, N., 2016. Influence of Heat Shock Temperatures and Fast Freezing on Viability of Probiotic Sporeformers. Online. Nutrition & Food Sciences Research. Zugriff: 18.11.2025.
  4. Kristula, H. M. Horse Hydration: Your Questions Answered. Online. TheHorse.com. Zugriff: 18.11.2025.
  5. Horse Journals. Winter Water for Horses. Online. HorseJournals.com. Zugriff: 18.11.2025.