ENERGYS

Die ersten Winterfröste und Durchfall bei Pferden

Ing Lucie Humeni

Mit dem Einsetzen der ersten Fröste können bei Pferden verschiedene kleinere gesundheitliche Probleme auftreten – von Steifheit bis zu Verdauungsstörungen. Eines der häufigsten Anzeichen des Übergangs in die kältere Jahreszeit ist Durchfall. Auf den ersten Blick mag dies wie ein Zufall erscheinen, tatsächlich handelt es sich jedoch um eine Kombination mehrerer Faktoren, die zusammen das Gleichgewicht im Darm des Pferdes beeinflussen. Ein Pferd, das im Sommer völlig gesund war, leidet plötzlich unter weichem Stuhl, Appetitverlust oder wirkt „unwohl“. Durch Veränderungen von Klima, Futter (einschließlich der Zusammensetzung der Weide) und Trinkgewohnheiten gerät das Gleichgewicht des Verdauungstraktes aus dem Lot. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht handelt es sich um eine Phase, in der Pferde von der Sommerweide auf den Wintermodus umgestellt werden – eine der empfindlichsten Zeiten des Jahres für das Mikrobiom.

Was passiert im Körper des Pferdes bei den ersten Frösten?

Das Pferd reagiert auf den Temperaturabfall mit einem erhöhten Energiebedarf. Um die Körpertemperatur aufrechtzuerhalten, erhöht es den Stoffwechsel und damit auch den Nährstoffverbrauch. Wenn dieser erhöhte Bedarf nicht durch geeignetes Futter gedeckt wird, greift der Körper auf Reserven zurück, und die Darmmikroflora gerät unter Druck. Besonders wichtig ist ausreichend trockenes Raufutter, also Heu.

Außerdem verändert sich mit der Abkühlung die Wasseraufnahme. Kaltes oder teilweise gefrorenes Wasser führt zu einer geringeren Flüssigkeitsaufnahme, was die Peristaltik verlangsamt und das Risiko von Verdauungsproblemen erhöht. Fachstudien zeigen, dass Pferde bei Temperaturen unter 5 °C ihre Wasseraufnahme um bis zu 40 % reduzieren können. Dies führt zu einer Verdichtung des Darminhalts, Störungen der Faserfermentation und nachfolgender Reizung der Darmwand.

Übergang von Weide auf Heu – der kritischste Moment

Der größte „Schock“ für die Verdauung ist eine plötzliche Futterumstellung. Der Verdauungstrakt des Pferdes ist an eine stabile Zufuhr von Fasern gewöhnt, aber die mikrobielle Zusammensetzung des Darms verändert sich je nach Futtertyp.

  • Die Sommerweide enthält mehr Zucker und Wasser, weniger Lignin, und die Fermentation verläuft gleichmäßiger.
  • Winterheu hat einen geringeren Energiegehalt, einen höheren Anteil an Strukturfasern und weniger schnell verdauliche Zucker.

Wenn der Übergang abrupt erfolgt, hat die Mikrobiota im Blinddarm keine Zeit, sich anzupassen. Das bedeutet, dass einige Bakterien absterben, während andere sich vermehren. Das Ergebnis ist Dysbiose – eine Störung des mikrobiellen Gleichgewichts, die sich nach außen hin in Form von Durchfall oder Verstopfung zeigt. Studien zeigen, dass ein schrittweiser Übergang zur Winterfütterung über mindestens 10–14 Tage das Risiko von Durchfällen deutlich reduziert.

Vorbeugung von Durchfall

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht hängt die Darmgesundheit wesentlich von der Qualität und Zusammensetzung des Raufutters ab. Das Heu sollte sauber, schimmelfrei, angemessen trocken (Feuchtigkeit bis 15 %) und mit einem NDF-Gehalt von etwa 60 % sein. Staubiges oder verschimmeltes Heu erhöht das Risiko von Reizungen und mikrobieller Ungleichgewichte. Diese Qualität sollte jedoch grundsätzlich Standard sein, unabhängig von der Jahreszeit.

Wichtige Grundsätze:

  • Ausreichend Fasern – Fermentation, sorgt für gleichmäßige Darmbewegung.
  • Ständiger Zugang zu Raufutter – Pferde müssen nahezu ununterbrochen kauen, um einer Übersäuerung des Magens vorzubeugen.
  • Angefeuchtetes Heu oder Mash – unterstützt die Wasseraufnahme und reduziert Staub.
  • Wasser – ideale Trinktemperatur ca. 10–15 °C.
  • Probiotika und Präbiotika – z. B. Saccharomyces cerevisiae unterstützt das Mikrobiota-Gleichgewicht und verbessert die Fasernutzung.
  • Mineral- und Elektrolytzusätze – helfen, Hydration und pH-Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.

Studien bestätigen, dass Pferde mit langfristig stabiler Mikrobiota eine bis zu 50 % geringere Durchfallhäufigkeit haben, selbst unter denselben klimatischen Bedingungen.

Wenn dennoch Durchfall auftritt

Wenn trotz präventiver Maßnahmen Durchfall auftritt:

  • Prüfen Sie die Qualität des Raufutters,
  • Entfernen Sie mögliche Quellen von Schimmel oder Feuchtigkeit,
  • Stellen Sie Zugang zu ausreichend warmem Wasser (10–15 °C) sicher,
  • Fügen Sie leicht verdauliche Fasern ins Futter (z. B. Energys Mash, Rübenschnitzel),
  • Sie können Leinsamen hinzufügen,
  • Sie können Kümmel, Ackerschachtelhalm und Kamille hinzufügen (achten Sie auf Qualität und verwenden Sie nur futtermittelrechtlich deklarierte Kräutermischungen).