Ing.Lucie Humeni
Das Sportpferd ist hohen körperlichen Anforderungen ausgesetzt, die nicht nur eine korrekt zusammengestellte Futterration, sondern auch ein gut abgestimmtes Fütterungsmanagement erfordern.
Die Fütterung stellt nicht nur eine Energiequelle für die Arbeit dar, sondern beeinflusst maßgeblich den Gesundheitszustand, die Regenerationsfähigkeit und den Erhalt einer angemessenen Körperkondition. Bei der Rationsgestaltung ist es notwendig, von den individuellen Bedürfnissen des jeweiligen Pferdes auszugehen. Diese hängen von Art und Intensität der Belastung, der Trainingsdauer, der Rasse, dem Alter, dem Geschlecht, dem Körpergewicht sowie dem aktuellen Ernährungs- und Muskelzustand ab. Eine bedeutende Rolle spielen außerdem die Umweltbedingungen und die Haltungsform. Es ist daher nicht möglich, ein völlig universelles „Schema“ auf alle Pferde anzuwenden.
Zunächst klären wir, was Energienährstoffe sind und welchen jeweiligen Energiewert sie besitzen. Zu den Energienährstoffen zählen Fette, Kohlenhydrate (Monosaccharide – Zucker, Disaccharide, Polysaccharide – Stärke, Glykogen, Zellulose), Rohfaser (strukturelles Kohlenhydrat) und Proteine.
Fette stellen eine langfristige Energiequelle dar und liefern im Hinblick auf ihren Energiewert mehr als doppelt so viel Energie wie Kohlenhydrate und Proteine. Ihr Energiewert beträgt bis zu 37,7 kJ/g. Dadurch ermöglichen sie eine Erhöhung der Energiedichte der Ration ohne übermäßige Belastung des Verdauungstraktes, was insbesondere bei Pferden in längerer oder wiederholter Belastung vorteilhaft ist. Erwähnenswert ist zudem, dass Fette für Pferde sehr gut verdaulich sind und Futtermittel mit hohem Fettgehalt nach schrittweiser Gewöhnung in relativ hohen Mengen verfüttert werden können.
Kohlenhydrate und Proteine besitzen denselben Energiewert, ihre metabolische Nutzung unterscheidet sich jedoch deutlich. Ihr Energiewert beträgt 16,7 kJ/g. Kohlenhydrate dienen als primäre Quelle schnell verfügbarer Energie, während Proteine im Organismus vor allem eine strukturelle und funktionelle Rolle erfüllen. Energie aus Proteinen wird erst dann genutzt, wenn die Glykogen- und Fettreserven erschöpft sind und Aminosäuren in Glukose umgewandelt werden.
Rohfaser hat den niedrigsten Energiewert, nämlich 6–8 kJ/g. Sie trägt auf spezifische Weise zur Energieversorgung bei. Lösliche Faser wird mithilfe von Darmmikroorganismen fermentiert, was zur Bildung flüchtiger Fettsäuren führt. Diese Fettsäuren liefern dem Pferd eine gewisse Energiemenge. Unlösliche Faser (z. B. Bestandteile wie Lignin) passiert den Verdauungstrakt weitgehend unverändert, ist jedoch für die ordnungsgemäße Funktion des Verdauungssystems unerlässlich.
Der Energiebedarf von Sportpferden unterscheidet sich deutlich in Abhängigkeit von der Art der geleisteten Arbeit. Entscheidend ist nicht nur die Gesamtintensität der Belastung, sondern auch deren Dauer, Struktur und die Wiederholung einzelner Arbeitsintervalle. Aus diesen Gründen ist es notwendig, nicht nur die Energiemenge, sondern auch die Auswahl ihrer Quellen anzupassen. Der tägliche Bedarf an verdaulicher Energie bei Sportpferden liegt – je nach Art und Intensität der Arbeit – bei etwa 110–150 MJ pro 500 kg Körpergewicht.
Grafik 1 – Nutzung der Energienährstoffe während einer 60-minütigen Arbeitsbelastung des Pferdes.
Bei Dressurpferden überwiegt eine Arbeit mittlerer Intensität mit Schwerpunkt auf muskulärer Ausdauer und der Fähigkeit, eine stabile Leistung über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Die Energieversorgung basiert daher auf einem höheren Anteil an Rohfaser und Fetten, die eine gleichmäßige Energiefreisetzung gewährleisten. Stärke ist in der Ration in moderater Menge enthalten und dient vor allem der Deckung des erhöhten Bedarfs bei technisch anspruchsvolleren Lektionen. Der Zuckeranteil bleibt gering.
Springpferde werden durch wiederholte kurze Phasen hoher Intensität belastet, was erhöhte Anforderungen an die schnelle Energiebereitstellung stellt. Aus diesem Grund ist Stärke die wichtigste Energiequelle, da sie den unmittelbaren Energiebedarf während der Leistung decken kann. Fette dienen als ergänzende Energiequelle und tragen zur Stabilität der Energieversorgung während längerer Trainingseinheiten oder bei Wettkämpfen bei. Rohfaser bildet die notwendige Grundlage der Ration im Hinblick auf eine ordnungsgemäße Funktion des Verdauungstraktes. Zucker ist nur in begrenzter Menge enthalten und stellt keine gezielte Energiequelle dar.
Rennpferde auf Kurzstrecken erbringen eine sehr intensive Leistung über einen relativ kurzen Zeitraum. Ihre Energieversorgung basiert daher hauptsächlich auf einem hohen Anteil an Stärke und Zucker, die schnell verfügbare Energie liefern. Der Anteil an Fetten und Rohfaser ist in diesen Fällen geringer, dennoch bleiben sie ein wichtiger Bestandteil der Ration im Hinblick auf die Gesamtbalance und eine gesunde Verdauung.
Bei Rennen über längere Distanzen verschiebt sich die Struktur der Energiequellen. Neben Stärke gewinnt Fett an Bedeutung, da es eine effizientere Energienutzung während längerer Belastung ermöglicht. Rohfaser spielt hier eine wichtige Rolle als stabile Komponente der Ration, während der Zuckeranteil im Vergleich zu Kurzstrecken reduziert ist.
Distanzpferde werden über lange Zeiträume mit Arbeit niedriger bis mittlerer Intensität belastet, wobei die Fähigkeit des Organismus, Energie über einen längeren Zeitraum effizient zu nutzen, entscheidend ist. Die Energieversorgung basiert daher hauptsächlich auf einem hohen Anteil an Rohfaser und Fetten, die eine gleichmäßige und stabile Energiefreisetzung ermöglichen. Stärke ist in geringerem Maß enthalten.
Schema 1 – Energys-Futtermittel, geordnet nach dem höchsten Gehalt an ausgewählten Nährstoffen. Enthält nicht alle Energys-Futtermittel. Das Schema kann bei der Auswahl des geeigneten Futters für Ihr Pferd helfen.
Im nächsten Artikel werden wir uns mit der Körperkondition als Indikator für eine korrekte Fütterung sowie mit dem Fütterungs- und Tränkemanagement befassen.