Ing. lucie Humeni
Ernährungszustand als Indikator für eine richtige Fütterung
Die Bewertung des Ernährungszustandes mithilfe der BCS-Skala (Body Condition Score) gehört zu den häufigsten Methoden zur Kontrolle einer richtig eingestellten Ernährung. Bei Sportpferden liegt die optimale Kondition gewöhnlich zwischen BCS 4 und 6. Distanz-, Vielseitigkeits- und Rennpferde werden häufig eher im unteren Bereich (BCS 4–5) gehalten, während Spring- und Dressurpferde meist mittlere Werte aufweisen und etwas „fülliger“ wirken können (BCS 5–6).
Bei der Beurteilung des Körperzustands muss immer nicht nur die jeweilige Disziplin, sondern auch die individuelle Konstitution des Pferdes berücksichtigt werden. Neben dem BCS wird auch der MCS (Muscle Condition Score) bewertet, der den Zustand und die Entwicklung der Muskulatur beurteilt und überwacht.
Management der Fütterung und Tränkung
Neben der Zusammensetzung der Futterration spielt auch die Art und Weise der Futtervorlage eine entscheidende Rolle. Das Pferd ist ein Tier, das empfindlich auf Regelmäßigkeit und Veränderungen reagiert; daher sollte sein Fütterungsregime stabil und vorhersehbar sein.
Größere Mengen an Kraftfutter sollten in mehrere kleinere Teilrationen über den Tag verteilt werden. Die Verabreichung unmittelbar vor oder nach der Arbeit ist nicht geeignet, ebenso wenig wie das Füttern vor der Gabe von Raufutter.
Raufutter sollte dem Pferd in ausreichender Menge möglichst uneingeschränkt zur Verfügung stehen und idealerweise vor dem Kraftfutter gefüttert werden.
Ebenso wichtig ist die Hydration. Das Pferd muss jederzeit Zugang zu sauberem und frischem Wasser haben. Bei höherer Belastung und warmem Wetter steigt der Wasserverbrauch deutlich an. Die erste Wasseraufnahme ist bereits kurz nach der Arbeit möglich, jedoch zunächst in kleineren Mengen.
Bei Pferden, die hoher Belastung oder hohen Temperaturen ausgesetzt sind, ist es zudem sinnvoll, Elektrolyte zu ergänzen. Diese werden entweder mehrere Stunden vor der Leistung oder danach verabreicht, jedoch immer erst nach der Aufnahme von Raufutter, um der Entstehung von Magengeschwüren vorzubeugen.
Jegliche Änderungen der Futterration sollten schrittweise, mindestens über sieben bis vierzehn Tage, erfolgen, damit sich das Verdauungssystem (insbesondere die darin lebenden Mikroorganismen) ausreichend an das neue Futter anpassen kann.
Fazit
Eine richtig gewählte Energiequelle bildet die Grundlage für die gewünschte Leistung, während ein durchdachtes Fütterungs- und Tränkemanagement unerlässlich ist, um die Gesundheit des Sportpferdes zu erhalten. Eine korrekte Ernährung kann die Leistungsfähigkeit deutlich unterstützen; sie kann jedoch nicht die natürlichen Fähigkeiten des Pferdes, seinen Charakter oder ein systematisches und einfühlsam geführtes Training ersetzen. Dies muss stets berücksichtigt werden.
Quelle: Präsentation Management und Fütterung von Sportpferden, Ing. Lucie Humeni, Seminar Kladruby nad Labem, Oktober 2024.